QBAK2010 Tag 6 - Der Kocher

Heute wird es heiß im "Q bloggt..."-Adventskalender, denn es dreht sich alles um den Kocher.

Gewicht läßt sich nicht nur bei den großen Dingen sparen, sondern auch bei den kleinen. Wahrscheinlich sogar mehr, prozentual gesehen. Reduziert man das Gewicht eines Schlafsacks auf die Hälfte, sind das nur 50%. Reduziert man das Gewicht seines Kochers von 1000 auf 100 Gramm sind das 90% :D

Allerdings sollte man sich auch hier nicht gleich auf den erstbesten Leichtkocher stürzen, denn alle am Markt verfügbaren Kochsysteme haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Generell entscheidet man sich für einen Brennstoff und sucht sich dann einen entsprechend leichten Kocher dazu aus.

Bedarf berechnen
Ich benötige pro Tag im Schnitt 2 Liter warmes Wasser - im Sommer eher weniger, im Winter deutlich mehr. Bin ich eine Woche unterwegs sind das ca. 14 Liter Wasser die auf Touren gebracht werden wollen. Pro Liter Wasser benötige ich die Menge X Gramm an Brennstoff. X Gramm * 14 (Liter) = benötigte Menge Brennstoff (Denke an Reserven!!!). X musst Du dir selber zurechtprobieren - Benutzer in den bekannten Wanderforen helfen dir aber sicher gerne mit einer Einschätzung.
Stelle weiterhin sicher, dass der gewählte Brennstoff im Urlaubsland auch verfügbar ist, sonst bleibt deine Küche nämlich ziemlich kalt ;)


Welche Brennstoffe gibt es?

Benzin
Benzin ist fast weltweit gut zu bekommen und hat einen ziemlich guten Brennwert. Benzinkocher sind allerdings meist recht gewichtig, aufwändig konstruiert und pflegebedürftig. Benzin ist nicht gerade gesundheitsfördernd, und die Startflamme eines Benzinkochers hat schon so manches Zelt geschrottet. Ich mag keine Benzinkocher, und wahrscheinlich werde ich nicht in die Verlegenheit kommen je einen zu verwenden. Soll es also Benzin sein, musst Du dich selber schlau machen ;)


Gas
Jetzt wird es schon interessanter. Gas ist meist gut zu bekommen (unbedingt vorher erkundigen!!!), ist unkompliziert im Umgang und hat einen guten Brennwert. Gaskocher sind recht einfach im Aufbau, der Bedienung und der Pflege. Mit einer 110 Gramm-Kartusche habe ich gute 6 Tage auf Korsika gekocht und eigentlich nix vermisst.
Nachteilig ist der Transport von Gas in Kartuschen, da leere Kartuschen natürlich bis zum nächsten Mülleimer mitgenommen werden müssen und nur angestochen weggeworfen werden sollten. Das Mehrgewicht muss in die Gewichtsdiskussion mit einfließen, ebenso wie die Umweltdiskussion!
Weiterhin läßt Gas stark nach sobald es kälter wird. Im Winter muss dann ein spezieller Winterkocher her, und Du musst dafür sorgen, dass die Kartusche vor der Verwendung zB unter der Jacke warmgehalten wird.
Denke daran, dass es Kartuschen mit Schraub- und Stechverschluß gibt, und die Systeme untereinander nicht kompatibel sind. Es gibt zwar Adapter, aber verlassen würde ich mich auf die dauerhafte Funktion nicht.

Ich mag Gas: Kocher auf die Kartusche schrauben, Topf drauf und los gehts.

Ein typischer Vertreter der leichten Gaskocher ist der nur 48 Gramm schwere Monatauk Gnat


Deutlich schwerer, dafür aber durch Topf und Windschutz komplettiert, der Primus EtaPackLite. Mein Winterkocher in der winterlichen Hardangervidda


Ein Windschutz ist meist schnell aus Steinen gebaut



Spiritus
Spiritus ist wahrscheinlich der Liebling aller Leichtwanderer der Welt. Das mag zum einen daran liegen, dass Spiritus preiswert und unkompliziert in Transport und Beschaffung ist sowie einen noch akzeptablen Brennwert hat. Zum anderen mag es an der überzeugend einfachen Konstruktion der Spiritusbrenner liegen. Weiterhin läßt sich Spiritus zum Desinfizieren von Wunden oder Reinigen der Hände verwenden.
Negativ ist lediglich die schwierige Entzündbarkeit bei Kälte. Hier muss Spiritus vorgewärmt oder mit einem Sturmstreichholz in Gang gebracht werden.

Der Bau eines Spirituskochers gehört zum kleinen 1x1 des Leichtwanderers. Man kann ihn natürlich auch kaufen, bauen macht aber deutlich mehr Spaß :D Alles was man über Spirituskochern wissen muss, findest Du auf zenstoves.net oder wings.interfree.it.

Typische Spirituskocher werden aus alten Getränkedosen gebaut und sehen in etwa so aus


Es gibt unterschiedlichste Typen von Kochern, je nach Topf, Verwendung und Leistung. Ich empfehle sie alle zu bauen, denn Dosenkocher sind eigentlich nur durch noch mehr Dosenkocher zu ersetzen :D (... sagte ich schon, dass das Bauen Spaß macht?)


Und auch die Gewichtsfetischisten kommen auf ihre Kosten, denn aus zwei Teelicht-Behältern lässt sich ein super Kocher bauen, ultraultraultraleicht ;)



Holz
Eine weitere Variante ist das Kochen mit Holz. Wenn man in Gegenden unterwegs ist die einem genügend Brennmaterial bieten, ist Holz eine tolle Alternative. Nachteil ist meiner Meinung nach lediglich der erbärmliche Rauchgestank und die durch Rauchentwicklung fehlende Verwendbarkeit im geschlossenen Zelt.

Holzkocher kann man natürlich kaufen, allerdings macht auch hier das selber bauen viel mehr Spaß - Holzkocher selber bauen



Esbit
Esbit ist eigentlich keine Lösung für irgendwelche Kochversuche. Genauso gut kann man versuchen das Wasser durch draufsetzen zu erwärmen. Willst Du es trotzdem verwenden, hilft dir Google sicher weiter...


Das Kochsystem
Brennstoff alleine macht natürlich noch keinen Kocher. Entscheidest Du dich für Gas oder einen Holzkocher, genügt der eigentliche Brenner, ein Windschutz (vielleicht aus Alufolie) sowie ein Topf, und einer abendlichen Küchenschlacht steht nichts mehr im Wege.

Anders ist es mit Spiritus. Denn abgesehen von sog. Sideburnern benötigt man immer noch einen Topfständer sowie einen Windschutz. Der Windschutz lässt sich gut aus Alufolie falten. Nimmt man sie mehrlagig, ist solch ein Windschutz sogar erstaunlich langlebig. Ein Topfständer lässt sich aus einem dickeren Draht biegen. Natürlich gibt es auch hier wieder mehrere Möglichkeiten, ebenso bei dem Windschutz.

Eine weitere Möglichkeit Windschutz und Topfständer leicht zu vereinen ist der sog. Cone. Dieser nimmt oben den Topf auf und wird über den Kocher gestellt. Der Klassiker wird von Traildesigns produziert - in Deutschland erhältlich bei Racelite.
Cone in Action, allerdings ohne Topf


Der Transport von Spiritus ist übrigens recht simpel, denn eigentlich tut es jede stabile Plastikflasche ;)

Von links nach rechts
Platypus: 500 ml => 0,38 Gramm pro 10 ml (0,25 Gramm bei 1000 ml)
Capri Sonne: 330 ml => 0,30 Gramm pro 10 ml
Schul Fit: 200 ml => 0,40 Gramm pro 10 ml
Fläschchen: 150 ml => 1,33 Gramm pro 10 ml

WICHTIG: Egal ob Capri Sonne oder Platypus, wichtig ist das die Flasche DEUTLICH als Brennstoffflasche gekennzeichnet ist!!! (Danke @Elk)


Probleme
Probleme bekommst Du immer dann, wenn dein Kocher nicht mehr funktioniert. Okay, man selbst kann vielleicht einige Tage auf den Morgenkaffee oder die warme Mahlzeit verzichten, aber versuche das mal mit deiner Freundin... :D *duckundwech* - Daran solltest Du denken, wenn Du nach einem Kocher suchst.

Ein Dosenkocher lässt sich wahrscheinlich wieder reparieren, sollte man mal draufgetreten sein. An Markus Dosenkocher hatte sich mitten im Jotunheimen die Verklebung gelöst - an eine warme Mahlzeit war erstmal nicht mehr zu denken. Aber nach einigen Hin und Her hatte er ihn dann wieder fit.

Ärgerlicher war der Gaskocher der beiden M's, welcher sich in Wohlgefallen aufgelöst hat. Hier lässt sich natürlich nichts mehr hinbiegen.



Abschließend
Für was auch immer Du dich entscheiden magst, ich hoffe es ist kein Esbit :D

Spaß beiseite. Du solltest deinen neuen Kocher ausgiebig VOR der Reise testen, gerade dann, wenn Du ihn selbst gebaut hast. Tausche ihn einfach gegen deinen heimischen Herd, und nach kurzer Zeit weißt Du, ob er die Reise überleben wird. Weiterhin solltest Du sorgfältig ausprobieren wieviel Brennstoff Du tatsächlich pro Tag verbrauchst, damit Du korrekt planen kannst.

Viel Spaß dabei...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jeden Morgen eine Freude hier zu lesen

thrush hat gesagt…

Moin,

größten Respekt für deine tägliche Arbeit hier, erste Sahne!

Eine Anmerkung, evt. würde ich Esbit nicht partout disqualifizieren, manche UL-Gurus schwören darauf. Ich selbst finde es aber ebenfalls nicht so schick, hauptsächlich wegen des Gestanks und weil es doch etwas rußt im Gegensatz zu Spiritus.

Weiter so!

rioleichtsinn hat gesagt…

und wieder ein prima Türaufschlag im QBAK2010.
Danke für deine Gedanken!

Gruß, Rio

Marcel hat gesagt…

Ich würde Esbit auch nicht partout aus dem Rennen werfen, für die heiße Tasse auf der kleinen Wanderung zwischendurch erfüllt das Zeug seinen Zweck und ist noch unkomplizierter als nen Spiritusbrenner, allerding ist der Gestank wirklich nen gewaltiger Nachteil....

Übrigens ich mag Gas und den Gnat inzwischen auch sehr gerne ;-) thx

Q Bloggt hat gesagt…

Moin! Vielen Dank für die vielen positiven Rückmeldungen an dieser Stelle. Wie immer freue ich mich wie Bolle, wenn es euch gefällt...

Zum Esbit: Okay, für eine schnelle, lauwarme Tasse Tee mag Esbit okay sein, aber wer schon mal versucht hat damit einen Liter Wasser auch nur in die Nähe der 100 Grad zu bringen, der lässt das Zeug wo es ist und nimmt Spiritus, Bensin, Gas oder Altöl. Alles, nur kein Esbit ;)

Anonym hat gesagt…

Wow, wat ne Disziplin,
konnte doch tatsächlich in aller Frühe wieder ein neues Türchen öffnen.
Macht Spaß zu lesen...
t

elk hat gesagt…

spiritus in getränkeflaschen geht gar nicht!!!

:(

Q Bloggt hat gesagt…

Moin Elk.
Ich ging eigentlich davon aus, dass man die Flaschen entsprechend kennzeichnet. Aber wahrscheinlich hast Du Recht, und ich erwähne es nochmal...

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