QBAK2010 Tag 4 - Schöner wohnen in Zelt und Tarp

Das vierte Türchen gibt sich sperrig, denn einen Beitrag über Zelte, Tarps und sonstige "Mobilheime" zu schreiben, ist nicht ganz einfach. Warum? Hey, schonmal bei einem Outdoorhändler in die Auslage geschaut? Und das erweitern wir jetzt noch um mögliche leichte Alternativen und fertig ist der längste Beitrag dieses Blogs. - Um also ein wenig Struktur zu bekommen, werde ich autobiografisch vorgehen... ;)

Am Anfang stand das leichte Doppelwandzelt
Da ich mein Gepäck erleichtern wollte war klar, dass ein leichtes Zelt in den Rucksack muss. Mit leichten Zeltkonzepten noch nicht sonderlich vertraut, legte ich meine Obergrenze bei 2000 Gramm fest. Dafür sollte sich doch etwas ordentliches finden, etwas was man kannte, was stabil war, etwas, das eben nur ein wenig leichter war. Ich kaufte ein Exped Vela I Extreme, was ziemlich typisch für leichte Doppelwandzelte ist:
- Innen- und Außenzelt
- eigenes Gestänge
- solide Zeltnägel
- geräumiges Innenzelt
- Apsis
- verhältnismäßig gut belüftet
- idR recht wetterunempfindlich
- trocknet langsam
- ca. 1500 Gramm

Diese Art von Zelt läßt sich unkompliziert aufstellen, ist materialbedingt ziemlich robust, ist konstruktionsbedingt gut belüftet sowie weitestgehend wetterunempfindlich und bietet ausreichend Platz für Camper und Gepäck. Eigentlich ein Zelt wie man es kennt, eben nur etwas leichter gebaut und meist eine gute Wahl für den jungen UL-Padawan.

Vertreter dieser Bauart findet man beispielsweise bei Exped, Vaude, Hilleberg oder Tarptent.

Mittlerweile sind Doppelwandzelte für unter 800 Gramm zu bekommen - wer sich also nicht zu weit von bewährten Konzepten entfernen möchte oder einfach einen gewissen Komfort mag, der kann hier aufhören zu lesen.
Vaude Power Tokee mit ca. 800 Gramm


Und nochmal das Power Tokee mit passendem Laufbursche Huckepack



Leichter gehts weiter - das Einwandzelt
Doppelwandzelt - Innenzelt = Einwandzelt -> die nächste Evolutionsstufe.

Einwandzelte sind gar nicht so selten wie man vielleicht denken mag. Einige kennen dieses Konzept eventuell noch aus ihrer Bundeswehrzeit: zwei Aufstellstangen in die Zeltplane, aufstellen, fertig. Wohl das älteste Prinzip der Welt. Was aber kennzeichnet ein Einwandzelt?
- nur Außenzelt
- konstruktionsbedingt meist feucht im Inneren
- noch ausreichend wetterbeständig
- meist vollwertige Bodenwanne
- gelegentlich integriertes Moskitonetz
- trocknet einigermaßen schnell
- ca. 700 Gramm

Mein erstes Einwandzelt ist das Tarptent Contrail, vermutlich eines der meistverkauftesten seiner Art. Es kommt ohne Gestänge und wird mit einem Trekkingstock aufgebaut, hat eine Bodenwanne die gut vor hereinlaufendem Wasser schützt, besitzt ein umlaufendes Moskitonetz, steht solide im Wind, ist komfortabel und schützt gut vor Regen. Gewicht ca. 700 Gramm.


Puristen werden jetzt einwenden, dass Tarptents eine eigene Kategorie bilden, was auch nicht falsch ist (Tarptent steht hier nicht nur als Marken-, sondern auch als Gattungsbegriff). Doch wir wollen mal nicht kleinlich sein, denn ein Tarptent ist auch immer irgendwie ein Einwandzelt ;)

Aufgrund der häufigen Kondenswasserbildung, sehe ich Einwandzelte eher für fortgeschrittene Anfänger geeignet. Warum? Durch das Fehlen des Innenzeltes ist man dem kondenswassernassen Außenzelt direkt ausgesetzt. Bewegt sich die Zelthaut, regnet es fröhlich auf einen hernieder. Dh man muss seine Sachen, hauptsächlich jedoch seinen Schlafsack, vor "Wassereinbruch" schützen. Hierfür sind tiefere UL-Kenntnisse nötig, die ich allerdings ansatzweise im fünften Türchen erkläre ;)

GoLite Shangri-La 2 - irgendwas zwischen Einwandzelt und Shelter (scheiß Definitionen :D) - leicht, stabil, riesiges Platzangebot
)

Die meisten Einwandzelte kann man mit Trekkingstöcken aufstellen, was erfreulicherweise Gewicht einspart. Allerdings ist die Verwendung eines Trekkingstocks als Aufstellstange nichts für ungeduldige Naturen und sollte tunlichst VOR DER TOUR geübt werden. Es gibt sie aber auch mit herkömmlichen Gestänge, auch hier ist die Auswahl groß. Einige Modelle sind sogar wintertauglich. Mit meinem Mountain Hardweare Bunker 1 war ich eine Woche im Winter in der Hardangervidda - bequem ist anders, aber es ging irgendwie.


Es sei kurz angemerkt, dass es natürlich auch spezialisierte Einwandzelte gibt - so zB im Bergsport, hier vertreten durch den MH Bunker 1. Diese Zelte meine ich nicht unbedingt, wenn ich an leichte Einwandzelte denke. Aber wenn es heftig zur Sache geht und man trotzdem nicht viel schleppen möchte, findet man hier sicher eine passende Unterkunft.

Hach, ich könnte noch stundenlang weiter schreiben, doch für einen groben Überblick zu Einwandzelten sollte es reichen - hoffe ich. Vertreter dieser Art gibt es von Tarptent, Integral Designs, Black Diamond, MSR, Six Moon Designs oder GoLite.


Tarps und Shelter - Darf's noch etwas leichter sein?
Nach Contrail und Bunker kam das Tarp, bzw ein Shelter. "Tarp, Shelter, hä?? Wo ist denn da der Unterschied?"

Meine ganz eigene Definitionen lauten wie folgt:

Tarp: Eine wasserdichte, häufig rechtwinklige Plane, welche mit mindestens einer Aufstellstange aufgebaut (alternativ aufgehängt) wird und keinen Boden besitzt. Ein Tarp besitzt meist mindestens eine nicht geschlossene Seite.

Shelter: Eine wasserdichte, vielseitige Plane, welche mit mindestens einer Aufstellstange aufgebaut (alternativ aufgehängt) wird und keinen Boden besitzt. Ein Shelter kann aufgrund der Konstruktion meist zu allen Seiten geschlossen werden.

Das Standard-Tarp ist wahrscheinlich der GoLite-Poncho, ein einfacher Poncho aus Nylon, der aber auch als Tarp für eine Person aufgestellt werden kann (Mehrfachverwendung läßt grüßen :D). Unter diesem Tarp habe ich schon diverse Nächte geschlafen, andere sind damit durch Amerika gewandert. So sieht eine Behausung mit ca. 250 Gramm aus


Tarps sind gekennzeichnet durch
- Einwandkonstruktion
- kein Boden
- sehr leichte Bauweise
- an mindestens einer Seite offen
- sehr leicht: ab 100 Gramm
- Streitpunkt: windstabilität
- trocknet recht schnell
- guter Wetterschutz
- nix für Menschen mit Insectophobie

Tarps sind tatsächlich eher etwas für Fortgeschrittene. Aufgrund der vielen Aufstellmöglichkeiten sowie der offenen Bauweise kann eine Tarp-Tour sonst schnell im nächsten Hotel enden. Trotzdem kann ich nur empfehlen es mal zu probieren. Ich war mit einem 150 Gramm-Tarp aus Cuben von Laufbursche auf Korsika, und habe trotz sehr viel Regen jede Nacht trocken und gemütlich geschlafen


GoLite Cave 2 mit Innenzelt


Eigenbau mit Fjäll-Erfahrung


Und noch ein Klassiker: das Gatewood Cape - Poncho UND Tarp bei rund 300 Gramm



Ein wenig entspannter sehe ich es mit einem Shelter. Die Bauweise erlaubt ein stabileres und wettergeschützteres Aufbauen und bietet, einmal aufgestellt, auch Anfängern einen recht sicheren Wetterschutz mit all seinen Vor- und Nachteilen.


Kennzeichen eines Shelters:
- Einwandkonstruktion
- kein Boden
- sehr leichte Bauweise
- meist an allen Seiten geschlossen, wenn gewünscht
- sehr leicht: ab 200 Gramm
- Streitpunkt: windstabilität
- trocknet recht schnell
- guter Wetterschutz
- ebenfalls nix für Personen mit Insectophobie

Mein erster Shelter war ein SilShelter von Integral Designs. Auch einer der Gegenstände, die wohl als UL-Standard bezeichnet werden können ;) In Norwegen war ich allerdings dann mit einem Laufbursche-Shelter, und er hat sich super geschlagen. Ordentlicher Wind hat ihm zwar seine Grenzen aufgezeigt (keine Angst, er hat gehalten), doch mir hat es gezeigt, dass auch in einer harten Umgebung durchaus auf leichte Ausrüstung Verlass ist, wenn man die Risiken kennt.


Shelter im Winter


Besonderheiten
Tarps und Shelter haben KEIN Innenzelt oder Insektenschutz, weiterhin fehlt ihnen ein Boden. Wenn es feucht wird liegt man also erstmal im Nassen, und wenn schwedische Moskitos über einen herfallen, helfen nur noch Stoßgebete gen Himmel. Du musst deine neue leichte Unterkunft also um einen Insektenschutz sowie eine wasserdichte Unterlage erweitern. Wenn dann noch ein Wasserschutz für den Schlafsack hinzukommt (nicht vergessen, es regnet gerne mal Kondensfeuchte :D), addieren sich die Gewichte schnell zu einem vielleicht komfortableren Leichtzelt.

Anbieter in dieser Kategorie sind Laufbursche, MLD, GoLite, und natürlich darf auch gerne wieder selber zu Nadel und Faden gegriffen werden.


Egal für welchen Typ ich mich entscheide, die meisten Modelle lassen sich (meist mit der Schere :D) immer noch um ein paar Gramm erleichtern: eingenähte Infozettel, Leinen, Packbeutel oder zu schwere Zeltnägel lassen genug Raum für kreative Lösungen.
Zeltnägel lassen sich übrigens auch selber bauen



Die Auswahl ist riesig und je erfahrener man ist, desto ausgefallener werden die Lösungen. Es kommen immer neue Varianten auf den Markt und natürlich sind auch die Geschmäcker unterschiedlich. Am Besten leiht man sich irgendwo Tarp, Shelter oder Leichtzelt und probiert es aus. Die eigene Erfahrung ist eben durch keinen Blogbeitrag zu ersetzen... Du solltest dein Leichtzelt allerdings wirklich gut kennen, bevor es in die Wildnis geht. Man hat zwar wenig Gewicht auf dem Rücken, doch die Fehlertoleranz geht so dermaßen in den Keller, dass ein falsch aufgestelltes Zelt schnell den Wildnis-Urlaub in einen Bed-And-Breakfast-Urlaub verwandeln kann - was ja aber auch nicht schlecht sein muss ;)

Ich persönlich fühle mich in allen Varianten wohl und mache die Auswahl vom Wetter, der Gegend und dem persönlichen Bequemlichkeitsbedürfnis abhängig. So hatte ich im Jotunheimen das 800 Gramm schwere Vaude Power Tokee mit und habe perfekt geschlafen. Aber auch die drei M's haben in ihren Sheltern süß geträumt - erzählten sie zumindest ;)

Integral Designs SilShelter im Gegenlicht - schön, oder?



Für was auch immer Du dich entscheidest, alles ist leichter als die Ungetüme von damals :D



Informationen
Eine Auswahl an vielen Leichtzelten, Tarps und Sheltern findest Du in Deutschland recht zentral in Krefeld bei Sack&Pack, www.racelite.de oder beim www.trekking-lite-store.com.

Kommentare:

outdoor-spirit hat gesagt…

Danke für dieses Türchen! Interessante Ausführungen. Mit einem Tarp habe ich auch schon geliebäugelt. Bisher habe ich nur ein Riesentarp, wo eine komplette Fussballmannschaft drunter schlafen könnte.
Mein leichtestes Zelt ist im Moment das TNF Mountain Marathon mit ca. 1,5 kg. Da hat sich wohl in der Zwischenzeit auch etwas getan am Markt...

Q Bloggt hat gesagt…

Hej... Der Markt ist tatsächlich recht unübersichtlich, zumal sich meist das tatsächliche von dem angegebenen Gewicht unterscheidet, was es nicht wirklich einfacher macht. Aber es soll ja auch Spaß machen... Bis zum 5. Türchen dann ;)

Jens hat gesagt…

Macht einfach jeden Tag Spaß zu lesen, dein Adventskalender! Danke!!

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