QBAK2010 Tag 5 - Leichter schlafen

In diesem Beitrag geht es um den Dritten der großen Drei: den Schlafsack. Oder besser, um das Schlafen. Möchte man leichter unterwegs sein, kann man sich leider nicht einfach einen x-beliebigen Schlafsack kaufen, denn damit würde man vorherige Einsparungen umgehend zunichte machen. Nicht umsonst spricht der Leichtwanderer von einem Schlafsystem.

Das Schlafsystem des ambitionierten Leichtwanderers besteht im Wesentlichen aus...

... einer Unterlegplane gegen Bodenfeuchte
Tarps und Shelter haben keinen Boden. Das spart zwar Gewicht, sorgt aber für feuchte Träume... Äh, also, ich wollte sagen, man bekommt einen nassen Hintern, wenn man seine Isomatte auf den blanken Boden legt. Sobald auch nur ein Rest von Vegetation in der Nähe ist, hat man nämlich mit aufsteigender Bodenfeuchte zu kämpfen (nächtliche Pflanzenatmung und so...) und ohne Unterlage wirds halt schnell feucht.
Bei der Unterlage kann man gerne wieder kreativ werden. Von der 50 Gramm Rettungsdecke bis hin zu teuren Lösungen aus Cuben-Fibre ist hier alles drin. Versuche ruhig verschiedene Möglichkeiten aus, bedenke aber eine gewisse Stabilität. Unterwegs gibt es nämlich selten Ersatz, und dann sind wir wieder beim nassen Hintern ;)


... einer Isomatte gegen Bodenkälte
Wie man sich bettet so schläft man - und unterwegs ist es doppelt wichtig gut zu schlafen, möchte man seinen Urlaub auch genießen können. Bei der Wahl der Isomatte scheiden sich die Geister: aufblasbar, Schaumstoff, torso- oder körperlang, die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich. Weiterhin ist zu bedenken, dass die Matte auch als Tragesystem des Leichtrucksacks verwendet wird.
Ich habe mit einer 1 cm dicken Matte aus EVA (Ethylen Vinyl Acetat) angefangen, und bis heute ist sie meine bevorzugte Sommermatte: leicht, stabil, nimmt kein Wasser auf und ist ziemlich warm. Um Gewicht zu sparen, habe ich sie auf Torsolänge, also etwa 120 cm, zurechtgeschnitten. Das spart Gewicht und ist definitiv ausreichend, denn unter den Kopf kannst Du dir für die Nacht deinen leeren Rucksack, und unter die Füße den vielleicht nicht benötigten Pulli oder deine Jacke legen. So wiegt die Matte nur ca 130 Gramm und Du konntest weiteres Gewicht sparen.

Mögliche Schaumstoffmatten wären zB die Artiach Light Plus oder die Therm-A-Rest Z Lite. Mögliche aufblasbare Matten sind die Artiach Skin Micro-Lite oder die Therm-A-Rest NeoAir. Ich verweise hier mal auf das Sortiment von Sack & Pack in Krefeld und auf Racelite.

Kombinationen sind auch möglich, so hat Markus zB eine Skin Micro-Lite mit einer Z-Lite verbunden.

Ich mag EVA-Matten lieber als aufblasbare. Sie sind leichter, individuell anpassbar und lassen sich notfalls zweckentfremden. ZB läßt sich aus der Matte ein prima Sonnenhut basteln, falls man idiotischerweise seinen vergessen haben sollte ;)


Auch für den Winter sind sie super. Bei minus 20 Grad reicht eine 14 mm Matte, um sich bei einem entspannten Schläfchen in Norwegen vor der Kälte zu schützen.



... einem Schlafsack oder Quilt
Nun wird es interessant, denn Schlafsack oder Quilt sind die Hauptdarsteller bei unserer kleinen Nachtmusik.

Vielleicht vorweg eine Erklärung zum Quilt (einen Schlafsack dürfte jeder kennen). Die Theorie sagt, dass man im Schlafsack die Isolation unter sich platt liegt und sie daher überflüssig ist. Und wenn man keine Isolation hat, ist der Stoff unter einem ebenfalls überflüssig. Ein Quilt ist daher meist wie ein boden- oder rückenloser Schlafsack ohne Kapuze gebaut. Bei gleichem Isolationsvermögen spart man beim Quilt im Gegensatz zum Schlafsack ein klein wenig Gewicht.

Die Vielfalt schlägt auch hier wieder zu, denn man kann aus unterschiedlichen Füllungen (Daune oder Kunstfaser), unterschiedlichen Materialien, Verarbeitungen und Konstruktionen wählen. Je nachdem was man möchte. Hier spielen persönliche Vorlieben, hauptsächlich aber der eigene Geldbeutel eine wichtige Rolle, denn der Markt hält Produkte in allen Preislagen bereit.

Ich suche mir den Schlafsack nach dem Verhältnis Füllungsmenge:Gesamtgewicht und dem Anwendungszweck aus. Je geringer das Gesamtgewicht bei gleicher Füllung, desto eher ist er wahrscheinlich geeignet. Achte bei der Auswahl aber auch auf die Größe des Schlafsacks, sonst wiegt er zwar wenig, aber Du passt nicht rein ;)

Auf dem Bild ein relativ leichtes Modell mit 500 Gramm Daunenfüllung bei ca. 830 Gramm Gesamtgewicht


Unserem Bestreben Gewicht einzusparen können wir dann auch hier wieder nachkommen, denn die Isolation läßt sich super durch Bekleidung ergänzen oder ersetzen. Eine warme Isojacke hat man wahrscheinlich dabei, ebenso eine Mütze. Ziehe ich beides vor den Schlafengehen an, kann man auf eine Kapuze am Schlafsack verzichten und die Menge an Füllung im Schlafsack verringern. So habe ich schon Nächte bis minus 6 Grad in einem Schlafsack mit 250 Gramm Füllung verbracht und super geschlafen.

Leichte Klassiker sind zB der Western Mountaineering Summerlite oder Apache, doch auch hier muss wirklich jeder wissen was er benötigt. Ein Blick in das Sortiment von Sack & Pack oder Racelite kann helfen. Und wer selber zur Nähmaschine greifen möchte, findet Informatives bei Markus, Christian oder Basti - Auf dem Bild das kuschelige MYOG-Duo-Quilt, welches Basti und seine Frau gemeinsam nutzen (auf dem Bild sind natürlich NICHT Basti und seine Frau zu sehen :D)



... einem Schlafsacküberzug gegen Feuchtigkeit
Hier verhält es sich wie mit der Bodenplane, um den Schlafsack vor Feuchtigkeit zu schützen, verpasst man ihm eine wasserdichte oder -abweisende Außenhülle. Der sogenannte Bivy benötigt eine besondere Bauweise und spezielle Materialien damit man nicht im eigenen Saft liegt und Wasser, welches auf den Bivy fällt, nicht "durchsuppt".

Exkurs Bivy: Der Mensch verliert nachts Flüssigkeit und zwar über den Atem und über die Haut. Diese Flüssigkeit würde sich, wäre die Schlafsackhülle wasserdicht, in der Isolation sammeln und die Isolationsfähigkeit verringern oder ganz aufheben. Daher muss der Bivy atmungsaktiv sein, sonst sind wir wieder beim nassen Hintern ;)

Hier ein Titanium Goat Bivy mit beigelegtem WM Apache


Einen Bivy kann man kaufen, der Markt hält auch hier wieder interessante Modelle bereit. Einen Bivy kann man aber auch recht einfach selber bauen. Die Materialien hierfür sind preiswert und gut zu bekommen. Wie es geht zeigt Markus.


Das komplette Schlafsystem
Das System besteht also aus Bodenplane, Isomatte, Schlafsack oder Quilt und einem Bivy. Nur wenn diese Gegenstände gut zusammen passen und korrekt benutzt werden, sind ruhige Nächte garantiert. Leider sind die persönlichen Bedürfnisse so unterschiedlich und die Einsatzmöglichkeiten so vielfältig, dass es eigentlich keine Standardempfehlung geben kann. Je nach Einsatzgebiet sowie der eigenen Konstitution und Fähigkeiten, kann sich das Schlafsystem deutlich unterscheiden. Auch hier wieder meine Empfehlung, einfach verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren.

Auf dem folgenden Bild ist ein komplettes Setup bestehend aus Unterlegplane, Isomatte, Schlafsack und Bivy bei genauem Hinsehen gut zu erkennen. Aufgenommen wurde es in der norwegischen Rondane bei fast zweistelligen Minustemperaturen. Das Gewicht des kompletten Setups beträgt hier etwa 1000 Gramm :D


Für den Sommer geht es deutlich leichter. In den weißen Beuteln befinden sich Schlafsack und Tarp, das Bivy liegt zusammengerollt links neben dem Rucksack und alles zusammen liegt auf der Isomatte. Gewicht zusammen: unter 800 Gramm.



Die Kleinigkeiten
Um bequem schlafen zu können fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, zB das Kopfkissen. Natürlich nimmt der Leichtwanderer kein Kopfkissen mit in den Urlaub, denn es geht auch ohne. Benötigt man unterwegs nämlich etwas unter dem Kopf, steckt man einfach seine Reservebekleidung in einen ungenutzten Packsack und legt ihn sich unter den Kopf. Hat mein seine Ausrüstung so optimiert, dass keine Reservebekleidung vorhanden ist, kann man den Sack auch mit Laub oder Gras füllen, oder sich einfach seine Schuhe unter den Kopf legen :D

Leichte Isomatten sind immer dünner als ihre herkömmlichen Pendants, was natürlich den Schlafkomfort mindert. Wenn möglich schaufel ich mir zB Laub under die Matte, so ist es ein wenig weicher. Man kann auch eine dünne EVA unten für die Wärmeleistung, und eine dünne aufblasbare Matte oben für den Komfort kombinieren. Probieren geht auch hier über studieren.

Weiterhin ist es wichtig nicht ausgekühlt in den Schlafsack zu kriechen. Ich bewege mich vor dem Schlafengehen immer noch ein wenig und esse eine Kleinigkeit. Weiterhin trage ich neben warmer Kleidung immer eine Mütze, Halstuch und leichte Handschuhe. So vorbereitet habe ich bisher stets super geschlafen und kann mich nicht an durchgefrorene Nächte erinnern


Wenn man sich jetzt noch einen guten Schlafplatz sucht kann eigentlich nicht mehr viel passieren. Oder um es mit den Worten eines Bekannten zu sagen: Keep light, sleep tight.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Schön gemütlich morgens vor dem Ofen sich an Ennos Adventskalender erfreuen.

Herrlich.

Lässt einen glatt die Blogfreie Zeit vergessen.

Grüße und Danke vom kleinen M

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